Mar
18

peinlicher Moment im Konzert


moin,

da will ich mir auch mal den peinlichsten moment meines lebens von der seele schreiben, der mir bis heute noch unvergessen ist.

zur erklärung:
meine schule hatte schon damals, als ich noch zarte 13 war, einen schwerpunkt auf dem bereich Musik und veranstaltete jedes halbjahr einen sogenannten "Hausmusikabend".
da durften alle, die privat ein instrument lernten, etwas vortragen, unter richtigen konzertbedingungen. also geschmückter festsaal voller zuhörer, presse eingeladen, aufwändig gedrucktes programm.

bevor man aber ins programm aufgenommen wurde, musste man allerdings unserer gestrengen, aber großartigen und von allen geliebten musiklehrerin sein stück vorspielen und für "gut genug" befunden werden.
ich hatte damals erst seit zwei jahren klavierunterricht, und am anfang ist die bewältigbare "konzertliteratur" noch nicht wirklich üppig, und so kam es, dass ich mich mit einer Sonatine zum vorspiel bewarb, die aber auch eine andere schülerin vorspielen wollte.
letztlich wählte die musiklehrerin aber mich aus, weil ich den vorteil hatte, dass ich das stück auswendig konnte. ich war natürlich stolz wie Oskar und übte die Sonatine immer weiter und konnte sie perfekt auswendig.

dann kam der große abend:
ich von muttern fein angezogen - extra einen neuen anzug gekauft, der auch für die konfirmation gedacht war - voller saal, mein erstes "richtiges" konzert eben.
leider war ich aber auch dementsprechend aufgeregt, und es kam, wie es kommen musste:
mitten im stück wusste ich plötzlich nicht mehr weiter!
ich fing noch einmal von vorne an, aber an genau der gleichen stelle wieder der blackout, und letztlich musste ich abbrechen und nach dem halben stück völlig verstört von der bühne abgehen.

das publikum hatte noch freundlich-unterstützend geklatscht, aber zum schlussapplaus ließ meine musiklehrerin mich nicht mehr auf die bühne.
es war mir natürlich hochnotpeinlich, und ich habe mich sehr vor der musiklehrerin geschämt, die ich doch eigentlich so bewunderte. sie war eine tolle, wenn auch auf strikten regeln bestehende lehrerin und hat etliche schüler für das gesamte leben geprägt. nur auf ihr drängen hin hatten wir damals ein klavier gekauft und ich mit dem unterricht begonnen, und ich verdanke ihr einen großen teil meines gesamten musikalischen werdegangs. und so geht es vielen meiner mitschüler, die wir sie heimlich liebevoll und voller respekt "Oma Heesch" nannten.

und diese tolle frau hat meinen peinlichen blackout beim vorspiel auch nie vergessen:
bei jeder gelegenheit, wo ich erneut auf dem klavier vorspielen sollte und sogar noch direkt vor der abiturprüfung in musik, bei der ich auch ein vorbereitetes stück vortragen musste, flüsterte sie mir zu: "ich hoffe, Sie können heute Ihr stück richtig und bis zum ende!"

ein gutes hatte die sache aber:
ich habe bisher als klavier- und gesanglehrer NIEMALS ein/en schülerIn "gezwungen", etwas öffentlich vorzuspielen, wenn er oder sie nicht wollte.
:D geschrieben am 18.03.2017 von Spuckel

Schlagwörter

spuckel, musik, klavier, lehrerin, schule, peinlich

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Kommentare von anderen Usern

Avatar Spuckel schrieb am 19.03.2017 folgenden Kommentar:
hihi, ich hab mal an der musikhochschule bei einem konzertexamen in Cello zugehört, und kurz vor ende rutschte der jungen musikerin wegen eines kleinen patzers ein deutlich hörbares "sch...ße" raus - und prompt ist sie durchgefallen und konnte das examen erst ein jahr später wiederholen.
daran gemessen war mein "blackout" zumindest relativ folgenlos.
:D

Avatar Masmiie schrieb am 18.03.2017 folgenden Kommentar:
so einen blackout hatte sicher jeder mal, auch die großen Künstler