Welches Lebensmittel verbindest Du / verbindet man mit welcher Stadt?

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Loregiver
Primus-Lehrling
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Dienstag 22. November 2016, 17:05  

Der Dresdner Christstollen ist untrennbar mit der Geschichte der Kulturstadt Dresden verbunden. Ob Könige, Fürsten oder die Dresdner Bürger - zu allen Zeiten der Stadtgeschichte spielt auch das Dresdner Traditionsgebäck eine herausragende Rolle. Stollengeschichte ist also auch Dresdner Kulturgeschichte.

Der Stollen als mittelalterliches Fastengebäck - Erstmals urkundlich erwähnt wird der Dresdner Christstollen 1474 auf einer Rechnung des christlichen Bartolomai-Hospitals. Von weihnachtlichem Höchstgenuss war zu dieser Zeit aber noch nicht die Rede: Das mittelalterliche Fastengebäck bestand lediglich aus Mehl, Hefe und Wasser. Ganz im Sinne des Verzichts erlaubte die katholische Kirche in ihrer Autorität weder Butter noch Milch.

Da die Sachsen aber schon immer ein Genießervölkchen waren, baten Kurfürst Ernst von Sachsen und sein Bruder Albrecht Papst Innozenz VIII, das Butter-Verbot aufzuheben. Der Heilige Vater gab diesem statt und sandte im Jahr 1491 den "Butterbrief“ in die Regentenstadt. Von da an durften die Stollenbäcker auch gehaltvollere Zutaten verwenden.

Seinen Ruf als königliches Gebäck bekam der Dresdner Stollen ab 1560. Traditionell zum heiligen Fest übergaben die Dresdner Stollenbäcker ihrem Landesherrn ein oder zwei Weihnachtsstollen. In einem Zeremoniell wurde das 36 Pfund schwere Gebäck von acht Meistern und acht Gesellen durch die Stadt zum Schloss getragen.

Auch der wohl bekannteste sächsische Kurfürst, August der Starke, bekannte sich öffentlich als wahrer Stollen-Liebhaber. Von der Dresdner Bäckerzunft ließ er sich anlässlich des Zeithainer Lustlagers 1730 einen – seinen – Riesenstollen backen: Rund 100 Bäcker und Gesellen fertigten mit 3600 Eiern, 326 Kannen Milch und 20 Zentnern Weizenmehl einen rund 1,8 Tonnen schweren Riesenstollen. Und auch wenn dieser überdimensionale Stollen mit eigentlich stollenuntypischen Eiern und im Juni gebacken wurde, gilt er dennoch als barocker Vorläufer des heutigen Dresdner Christstollens®. An Kurfürst Augusts Riesenstollens erinnert noch heute das jährlich am Sonnabend vor dem 2. Advent in Dresden stattfindende [url=http://www.dresdnerstollen.com/de/Stollenfest?PHPSESSID=17664e2d4b4c271a37e9c9f11da8857c]Stollenfest[/url].

[align=center][img]http://www.bilder-hochladen.net/files/lmv8-16-8b20.jpg[/img][/align]
Zuletzt geändert von Loregiver am Dienstag 22. November 2016, 18:19, insgesamt 2-mal geändert.

lotosdino
Primus-Kaufmann
Beiträge: 4715

Dienstag 22. November 2016, 18:50  

Hier in Erfurt gibt es das Erfurter Schittchen als Gegenstück zum Dresdner Stollen. Das Erfurter Schittchen ist nicht so trocken wie der Stollen, weil er mehr Butter und auch Aroma wie Rum enthält sowei mehr Rosinen. Ausserdem ist das Erfurter Schittchen älter als der Dresdner Stollen. Natürlich behaupten die Dresdner, den einzig wahren und ältesten Stollen zu backen. Doch mit dem Stollen aus Naumburg, dessen Rezept wegen der Nähe der Stadt zur Thüringer Grenze schnell einen Weg nach Thüringen und Erfurt fand, gilt das Erfurter Schittchen als älter als der Dresdner Christstollen. Und auch geschmacklich steht der Thüringer Stollen und das Erfurter Schittchen seinem brühmten Bruder, dem Dresdner Stollen, in nichts nach. Natürlich gibt es viele verschiedene Varianten der Zubereitung für das Erfurter Schittchen. Doch hierin sind sie alle gleich: viel Butter und Rosinen und natürlich der Scheit (oder Scheid).

lotosdino
Primus-Kaufmann
Beiträge: 4715

Dienstag 22. November 2016, 19:10  

Vielen Dank. Ich hoffe, dass ich die Dresdner nicht zu sehr verärgert habe ;)

Masmiie
Primus-Lehrling
Beiträge: 1228

Donnerstag 24. November 2016, 14:26  

Sie heißen zwar [b][color=#0000ff][u]Königsberger [/u]Klopse[/color][/b], sind aber für die ganze Region Ostpreußen typisch. Ich selbst habe das Rezept von meiner Großmutter bekommen und die stammte aus Lyck - heute Elk. Sowohl die Prußen als auch die Masuren kannten also das Gericht. Heute ist es in der ganzen Welt verbreitet, nur - meistens fehlte der richtige Kick. Ich weiß noch, wie meine Großtante meinen Mann daran hinderte, sich die im Restaurant zu bestellen: "Die sind hier doch ausser Dose!" Mein Mann, der sie schon öfters als Fertiggericht gegessen hatte, bekam sie am nächsten Tag handgemacht von ihr serviert - und bestätigte, dass hier ein meilenweiter Unterschied vorlag.

[b][color=#0000ff]Klops [/color][/b]ist das, was in anderen Regionen Deutschlands mit Kloß, Bulette, Laiberl oder Pflanzerl bezeichnet wird. In diesem Fall aus sehr fein gehacktem Fleisch, das mit einigen guten Zutaten zusammengemischt und zu runden Bällen geformt wird. Die Klopse läßt man dann in Fleischbrühe ziehen. Wenn sie gar sind, kommt das Wichtigste: [b][color=#0000ff]Die Soße[/color][/b]. Die wird als Einbrenne oder Mehlschwitze aus der Fleischbrühe gefertigt und ganz speziell gewürzt. Ohne Soße werden keine Klopse serviert. Dazu kenne ich Pell- oder Salzkartoffeln, vorzugsweise mit Petersilie dazu. Auch darum ist die Soße, bzw. deren Menge so wichtig, nur mit "orntlich" viel Soße kann man die Kartoffeln und die Klopse gut vermischen. Bei uns werden die Kartoffeln mit der Gabel zerdrückt, damit sie viel Soße aufnehmen können.

Das Rezept meiner Großmutter fängt an mit "eine schöne, große Zwiebel" - und die "schöne" Zwiebel habe ich auch prompt in mein Kochbuch so übernommen ;) . Die Zwiebel mußte fein gerieben werden, darum wohl das "schön" - es war eine frische und darum noch feste Zwiebel gemeint. Wichtig waren ihr aber auch die [u][b]Kapern[/b][/u], die [u][b]Zitrone [/b][/u]und vor allem der [u][b]Zucker[/b][/u]. Wen´s hier schüttelt, der lasse sich sagen, was angeblich mal während eines Konzerts in Königsberg zu hören war, als das Stück mit einem Creszendo endete und zwei sich unterhaltende Hausfrauen das so schnell nicht mitbekommen hatten: "Klopssoße muss immer scheen sießsauer sein." Ohne das ist es nunmal keine Klopssoße, befand schon so mancher Gast: "Die Klopse waren man so, das Sießsaure fehlte."

[b][color=#0000ff]Königsberger Klopse[/color][/b] sind eine ziemliche Arbeit (Zwiebel und ein Brötchen reiben, Fleisch fein hacken, kneten und formen), zeitlich aufwendig (einweichen, kochen, nochmal kochen) und damals auch teuer (zwei Sorten Fleisch, Sahne, Eier, Gewürze). Es gab sie also gerne zu Festtagen, dann aber gab sich jede Hausfrau die größte Mühe. Das Gelingen der Klopse samt Soße war ein Gradmesser für die Tüchtigkeit der Dame des Hauses. Also eigentlich kein Gericht, dass man als Fertiggericht servieren sollte - das fällt ganz schnell auf.
Zuletzt geändert von Masmiie am Freitag 25. November 2016, 12:36, insgesamt 1-mal geändert.
Masmiie im Netz verstrickt mal hier mal davielleicht auch dort sehr gerne hier oft auch da und auch hier - und auf euren Links

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