Was darf Satire?

huskie-style

Mittwoch 7. Januar 2015, 16:21  

Hallo zusammen,

viele haben die Ereignisse in Paris bereits mitbekommen, bei denen es zu mindestens 12 Toten bei dem Anschlag auf die Redaktionsräume des französischen Satiremagazines "Charlie Hebdo" gekommen ist.

Das Entsetzen, auch innerhalb des Netzes, ist verständlicherweise groß. Auch die deutschen Satire-Kollegen der "Titanic" haben sich dazu geäußert, und das auf eine besondere Form; heisst es doch auf deren Homepage :

+++ Nach einem Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo reagiert die TITANIC-Redaktion mit Solidarität ("Au weia!") und Standfestigkeit ("Wir machen weiter Witze – gleich nach der Mittagspause!") +++ UPDATE: Erste Versehrte sind zu beklagen, Kopfschmerzen nach lästigen Anrufen ("Hallo, Gamperl vom Tittlinger Wochenblatt, hätten Sie ein Statement für uns?") und dem Lesen von Facebook-Kommentaren ("Ihr Feiglinge Warum habt ihr euch Nicht erschiessen lassen?? Seit wohl zu feig dazu was?") +++ UPDATE: Langsam verfestigt sich redaktionsintern die Meinung, daß Mord "eher nicht so gut" wäre, Anschläge auf Satiremagazine "unangenehm". +++ TERRORHINWEIS: Für 16 Uhr ist in der TITANIC-Redaktion eine Pressekonferenz angesetzt, bei der RTL, Hessischer Rundfunk, Frankfurter Rundschau und sämtliche weitere Privat- und Systemmedien anwesend sind. Für Terroristen bietet sich hier die Möglichkeit, nicht nur eine Satireredaktion auszulöschen, sondern auch die gesamte deutsche Lügenpresse. Es gibt Schnittchen (hinterher)!

Ist diese Art der Satire für Euch in Ordnung? Oder wäre es besser gewesen, sich den Ereignissen mit Realitätssinn anzunehmen? Denn auch wenn es sich bei den "Opfern im Geiste" um Satiriker handelt, hatten sie sicherlich Angehörige, die vielleicht nicht unbedingt eine solche Veranlagung zu dieser Art von Humor haben.

Wo hat Satire Eurer Meinung nach eine Grenze zu ziehen? Oder sollte sie vor nichts Halt machen? Lasst uns diskutieren! ;)

Bitte beachtet: dieses soll keine Diskussion über politisch-religiöse Motive und/oder derartig motivierte Gruppen werden, sondern sich ausschließlich auf die obigen Fragen beziehen!

semi2009
Primus-Entdecker
Beiträge: 215

Mittwoch 7. Januar 2015, 18:18  

... wenn ich es wie Kurt Tucholsky sehe?

"Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird,
und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten. […]

Was darf die Satire? Alles." - Kurt Tucholsky

(Quelle: http://de.wikiquote.org/wiki/Satire)

korps
Primus-Kaufmann
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Mittwoch 7. Januar 2015, 18:34  

Ebenfalls ALLES.

Es ist der gewünschte und nötige Effekt bei Satire, dass dem Leser das Wort im Halse stecken bleibt. Die Äußerung der "Titanic" ist eine durchaus angemessene Reaktion auf das absurde Treiben dieser Religionisten, mit der deren Attacke auch ihrer inne wohnenden Lächerlichkeit konfrontiert wird. Eine gute Art, mit Horror dieser Kategorie umzugehen. Dass schließt das Mitgefühl mit Opfern und Angehörigen jedoch keinesfalls aus, ohne dass das mit übertriebener Pietät, wie sie viel zu oft praktiziert wird, verbunden ist.

Freilich, es ist, und bleibt hoffentlich, eine unbeantwortete Frage, wie "Titanic" reagieren würde, wenn tatsächlich ein Gewaltakt in den eigenen Reihen zu beklagen wäre.
Zuletzt geändert von korps am Mittwoch 7. Januar 2015, 18:41, insgesamt 1-mal geändert.

elmo98
Primus-Stammgast
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Mittwoch 7. Januar 2015, 18:56  

Scheinbar haben also PEGIDA und Co. gar nicht mal so extrem Unrecht.... 8o

Detrox
Primus-Newcomer
Beiträge: 42

Mittwoch 7. Januar 2015, 19:23  

Satire darf alles !

Meine Meinung, deshalb ist es Satire, dabei appelliere ich natürlich an den gesunden Menschenverstand.
Und wem es zu weit geht der schaut eben weg.

Hat ein Satiremagazin eine besondere Verantwortung? - Nein deshalb ist es ein Satiremagazin und als solches sollte es auch verstanden werden.

huskie-style

Mittwoch 7. Januar 2015, 19:45  

Darf sie wirklich Alles? Oder darf sie nur dann Alles, wenn man selber nicht die Zielscheibe des Spottes ist? Relativiert sich dann das "Alles" vielleicht nicht doch?

wimola
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Mittwoch 7. Januar 2015, 20:01  

Ich bin ehrlich gesagt hin- und hergerissen.

Natürlich ist es das Wesen der Satire, die Dinge deutlich zu machen, in dem sie übertreibt.

Trotzdem ..., mir gefällt die "Stellungnahme" nicht. Ich sehe, ehrlich gesagt, auch nicht den Sinn, der mir als Leser nun eigentlich auf diese Art vermittelt werden

sollte/könnte - was soll mit nun deutlicher werden?

Ich würde dann doch eine echte Betroffenheit bevorzugen und für angemessen erachten.

Nightwash
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Mittwoch 7. Januar 2015, 20:10  

Also gut ja ansich alles, jedoch erwarte ich es in dieser Speziellen Situation schon aus Pität das man dann lieber schweigt.


Denn helfen tut das in diesem Moment niemanden.

Auch finde ich sollte Satire dienen um Misstände aufzuzeigen niemals aber um Minderheiten wie Behinderte Deutsche in der BRD oder gute Politiker ;) zu diskriminieren.


Wer Ironie findet darf sie behalten.


Fussnote auch wenn man es ja nicht sagen darf wird dies die PEGIDA Bewegung in ihren tun nur untermauern.

Spuckel
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Mittwoch 7. Januar 2015, 21:48  

meiner meinung nach darf satire alles, aber ...

sobald es nicht mehr um satire geht sondern bewusst nur darum, andere lächerlich zu machen, ist die grenze überschritten.
ich hab noch gut das kontrovers diskutierte zitat von Harald Schmidt im ohr, der sagte "auch behinderte haben das recht, verarscht zu werden"

das klingt erstmal herzlos und unanständig, ist es aber, wenn man genauer überlegt, nicht wirklich.
denn er meint nicht, man dürfe sich über behinderte lustig machen sondern auch sie in satirisch-ironischem ton behandeln. denn wenn es um wirkliche gleichbehandlung geht, dann haben sie wirklich ein "recht" darauf.
wie gesagt - immer vorausgesetzt, es geht nicht um plumpe lächerlichmachung auf ihre kosten.

und auch religionen/religionsgemeinschaften haben gefälligst hinzunehmen, dass in einer freiheitlichen gesellschaft auch satirischer spott hinzunehmen und auszuhalten ist, ohne darauf mit gewalt zu reagieren.

was da in Frankreich passiert ist, ist ganz eindeutig furchtbar, und opfern und angehörigen gebührt unser aller solidarität.
es ist furchtbar, dass gedankliche freiheit derart mit einem mordanschlag beantwortet wird. ich gehe aber davon aus, dass sich die macher des satiremagazins durchaus der gefahr bewusst waren und sich dennoch für ihre freiheit entschieden haben.

es ist ein schmaler grat, ob man aus "realitätssinn" darauf verzichtet oder damit gefahr läuft, vor einer solchen bedrohung zu "kuschen".
dort steht sehr viel auf dem spiel: auf der einen seite das leben der satiriker und das leid der angehörigen, auf der anderen seite das hohe gut von gedankenfreiheit und freiheit der meinungsäußerung.
das wäre doch mal ein thema, zu dem sich unser Bundespastor Gauck mal äußern könnte, wo ers doch so mit der freiheit hat. ;)

swissmerican
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Donnerstag 8. Januar 2015, 09:10  

[quote='huskie-style','index.php?page=Thread&postID=172863#post172863']Darf sie wirklich Alles? Oder darf sie nur dann Alles, wenn man selber nicht die Zielscheibe des Spottes ist? Relativiert sich dann das "Alles" vielleicht nicht doch?[/quote]

Ich finde Satire darf alles, sofern die Mächtigen angegriffen wird und nicht die Schwachen. Giaccobo/Müller (Schweizer Satiriker Sendung) haben auch schon zig Witze über meine Partei gemacht, ich hab mich teilweise kaputt gelacht.

sasch24321
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Donnerstag 8. Januar 2015, 20:54  

Satire Sendungen sind mir zu Einseitig in ihrer angeblichen "Freizügigkeit"

"Religionen" werden regelrecht des öfteren benutzt( mit wenigen ausnahmen wie Judentum z.B, das wird seltener ), wenn es aber um wirkliche "Verarsche" handelt wie z.B Die Manipulation der Medien, Zinsgeldsystem, Kriegstreiber ,Nato usw. alle Themen die wirklich relevant sind, die werden gemieden und verschweigt.
Es ist sehr sehr selten das eine Satire Sendung hier mal ein Thema durchnimmt. ( Wenn dann nur leicht angestoßen aber nicht so offen wie in der Religion provozierend )

Es existiert also meiner Meinung nach überhaupt keine freie Satire Sendung, sondern nur nach bestimmten Themengebiete.

Also erübrigt sich für mich die Frage wie weit eine Satire Sendung gehen kann.

---------
Wenn es aber eine freie Satire Sendung geben würde, dann würde ich folgende Frage stellen.
Wie weit darf ein Mensch sich in welcher Richtung der Gesellschaft gefördert verändern und das hängt ganz einfach davon ab welche "Gesellschaft" wir haben wollen die sie reagiert/reagieren im handeln soll.

Wann ist eine Beleidigung oder Verletzung der Gefühle kann man nciht beantworten, denn in jedem wird es anders funktionieren in der Wahrnehmung, also bleibt nur die Formung der Menschen wie sie gefördert sein sollen das jeder ertragen und leisten kann, was derjenige dadurch wird.
Zuletzt geändert von sasch24321 am Donnerstag 8. Januar 2015, 21:03, insgesamt 1-mal geändert.

Spuckel
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Donnerstag 8. Januar 2015, 21:09  

[quote='sasch24321','index.php?page=Thread&postID=173618#post173618'](...)
wenn es aber um wirkliche "Verarsche" handelt wie z.B Die Manipulation der Medien, Zinsgeldsystem, Kriegstreiber ,Nato usw. alle Themen die wirklich relevant sind, die werden gemieden und verschweigt. [/quote]
ich fürchte, da sind dir einige satire-/kabarettprogramme entgangen, die teilweise sehr intensiv und auch offensiv auf diese themenkreise eingehen.
vor allem sind da zu nennen Winfried Schmickler, Volker Pispers, in ansätzen Urban Priol, Max Uthoff und noch einige andere, deren namen mir auf der zunge liegen, aber gerade spontan nicht raus wollen.
bei mir schlägt halt schon die vergreisung zu. ;)

ein problem ist nur, dass viele menschen lieber einen schnellen lacher möchten als wirklich fundierte, grundlegend systemkritische überlegungen hören zu wollen - oder ihnen gedanklich folgen zu können.
Zuletzt geändert von Spuckel am Donnerstag 8. Januar 2015, 21:11, insgesamt 1-mal geändert.

tommixyz
Primus-Junior
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Donnerstag 8. Januar 2015, 21:30  

Satire ist eine der ältesten Formen der Literatur - sie darf kritisieren, überspitzen und auf Missstäbde aufmerksam machen- soviel Freiheit sollte in einem Land mit normaler Zivilisation möglich sein. Religionen maßen sich ja auch an, Lebensvorschriften zu erteilen, Dinge zu verbieten usw usw.. Also sollten Religionen auch Kritik akzeptieren. Wenn es denn ga in materieller Gewalt und in Attentate ausartet - da sind dann Grenzen gesetzt, die überschritten werden. Also Satire voran - nicht nachgeben - weiter Karakaturen zu Gott , Allah und wem auch immer!

beibaers
Primus-Stammgast
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Donnerstag 8. Januar 2015, 22:22  

[quote='sasch24321','index.php?page=Thread&postID=173618#post173618']Satire Sendungen sind mir zu Einseitig in ihrer angeblichen "Freizügigkeit"

"Religionen" werden regelrecht des öfteren benutzt( mit wenigen ausnahmen wie Judentum z.B, das wird seltener )[/quote]

naja vielleicht in den westlichen Medien, aber wenn Du mal in den arabischen Raum gehst, da sind unsere Satirezeichnungen zum Teil wirklich harmlos.

Al Quds ist eine Zeitung, die sehr heftige auch judenfeindliche Karikaturen regelmässig veröffentlicht.

Sascha1982wtal
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Montag 26. Januar 2015, 18:48  

Das ist doch ein schweres Thema ich kann Moslems verstehen die sich darüber aufregen. Aber andere Menschen umbringen darf durch nichts entschuldigt werden, man sollte auch nicht im ganzen Islam Terroristen sehen.

Satire was wäre wohl los wenn es hier solche Karikaturen über Juden geben würde? Halt ein ganz schweres Thema das ganze.

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