Judas mit anderen Augen?

ladaci
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Dienstag 3. August 2021, 21:49  

Hi,

die Tage hatte ich 2 Priester bei mir zu Gast (die Woche davor eine Gruppe Nonnen - es war verdammt schwierig, sich jeglichen Kommentar zur Bestellung der einen zu verkneifen: Sie wollte heiße Liebe.. :D das aber nur am Rande)

Der ältere zahlte am Ende für beide und bekam 3 Euro Restgeld zurück, welche ich mit den Worten "..und 3 Silberlinge zurück" herausgab. 8-)

Wochen zuvor hatte ich mal hier gelesen, was die in der Bibel erwähnten 30 Silberlinge etwa wert seien und sprach die Priester darauf an, was sie dazu meinten. Der jüngere von beiden meinte im modern-deutsch-englisch "Oh, das führt jetzt aber sehr weit, die Discusssion" - Perfekt, dann machen wir die Discussion eben hier :-)

Gelesen hatte ich folgenden Beitrag:
https://de.wikipedia.org/wiki/Judaslohn ... 000%20Euro.
wonach die 30 Silberlinge, die Judas für den Verrat an Jesus erhielt heute etwa einem Esel und 10tausend Euro entspräche.

* Muss man die Schuld Judas´s nicht in einem anderen Blickwinkel sehen, wenn man sieht, welchen Wert er dafür bekam?
* Ist ein Verrat eher verständlich, wenn man die Umstände genauer und in Relation betrachtet?
* Gilt vielleicht die Höhe der Bestechung eher als mildernder Umstand?
* Oder ist die Schuld einfach die Schuld, egal wie verlockend das Angebot für den Verrat war?
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Beaslie99
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Mittwoch 4. August 2021, 12:51  

Für Judas waren diese 30 Silberlinge sehr viel Geld. Aber: Ein Verrat bleibt immer ein Verrat. Egal wie hoch der Lohn dafür ist.

Allerdings muss man ein paar Dinge bedenken.

Jesus wusste, dass er von Judas verraten wird. Er kam auf die Welt um am Kreuz für uns zu sterben und ob Judas ihn verraten hätte oder nicht, er wäre trotzdem gestorben. Allerdings macht der Verrat eines Freundes das ganze bitter.

Gott hat nach der Sintflut erkannt, dass seine Kinder nun mal sündige Wesen sind. Darum hat er auch mit Noah den Bund geschlossen, seine Schöpfung nie wieder auszulöschen. Es liegt in unserer Natur, Dinge zu tun, die nicht richtig oder teilweise sogar böse sind. Aus Egoismus, aus Habgier, aus Angst, aus Hass usw. Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.

Und wir müssen uns auch die Frage stellen: Können wir immer und zu jeder Zeit für uns selbst garantieren, niemals einen Verrat zu begehen? Oder anders gefragt: Wie oft haben wir eigentlich schon "kleine" Verrate begangen? Für Gott gibt es keine "großen" oder "kleinen" Sünden. Eine Sünde ist immer eine Sünde und ein Verrat ist immer ein Verrat.

Somit ist die Frage, ob es uns überhaupt zusteht, Judas für seine Tat zu verurteilen. Jesus hat ihn nicht dafür verurteilt, sondern noch am Kreuz für Vergebung seiner Peiniger gebeten. Und sollte Judas seine Tat aufrichtig bereut und sich Jesus erneut zugewandt haben, wäre die Schuld sogar vergeben. Das gibt uns noch weniger das Recht, ihn zu verurteilen. Allerdings muss man auch hier sagen: Es liegt in unserer Natur, Steine zum werfen aufzuheben. Und da nehme ich mich nicht aus: Judas hat seinen Freund und unseren Erlöser verraten und das nehme ich ihm übel.

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