Feb
11

Jeder ist selbst dafür verantwortlich, womit er sein Herz füttert


Dieser Satz war Kernpunkt einer Predigt meiner Gemeinde am Anfang des ersten Lockdowns im April. Ich hatte sie fast wieder vergessen.

Sei wie eine Schale, und nicht wie ein Kanal, der gleichzeitig nimmt und gibt, während die Schale aus dem Vollen schöpfen kann (Frei nach Bernhard von Clairvaux, "Die Schale der Liebe" falls jemand das Gedicht lesen möchte) Auch dieser Satz war Kernpunkt einer Predigt, die ich fast wieder vergessen hatte.

Meine Hirtin hat mich vor ein paar Tagen an beides erinnert.

In den letzten Monaten, noch mehr aber in den letzten Wochen liegen meine Nerven blank. Ich merke, wie ich oft die Beherrschung verliere und nur noch wild um mich schlagen will. Ich habe das Gefühl der ständigen Überforderung und der Verzweiflung.

Corona macht mich fertig. Die Kontaktbeschränkungen machen mich fertig. Ich habe es satt, nicht in Gottesdienste zu können. Mir fehlen die Seminare und die Kleingruppe. Mir fehlt die Therapie. Mir fehlen die Kontakte mit meiner Familie und meinen Freunden. Alles das hat mir Kraft gegeben.

Anstatt mein Herz mit Gutem zu füttern, sehe ich Nachrichten, die mir nicht gefallen. Sehe Menschen, die in meinen Augen unvernünftig mit der ganzen Situation umgehen. Lese Streitereien um Corona und beteilige mich sogar noch daran.

Obwohl meine Schale noch lange nicht voll war, habe ich immer versucht zu helfen. Online wie offline. In letzter Zeit kann ich das nicht mehr. Die Quelle sickert nur noch und ich verliere schnell die Geduld, wenn ich sehe, dass ich nicht helfen kann oder meine Hilfe nicht erwünscht zu sein scheint.

Ich lege jedes Wort auf die Goldwaage und gebe mich dem Zorn hin, anstatt einfach darüber hinweg zu sehen und mir in Erinnerung zu rufen, dass Menschen verschieden sind, verschiedene Meinungen haben und jeder die selben oder ähnliche Probleme und Ängste hat wie ich. Wenn ich damit jemanden vor den Kopf gestoßen habe, tut mir das von Herzen leid.

In letzter Konsequenz heißt das alles aber für mich, dass ich etwas ändern muss. Ich habe mich aus dem Chat heraus genommen und versuche zu mir selbst und zur Ruhe zu finden. geschrieben am 11.02.2021 von Beaslie99

Schlagwörter

die schale der liebe

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Kommentare von anderen Usern

Avatar ladaci schrieb am 14.02.2021 folgenden Kommentar:
Filzstift, Lorbeerblatt, Feuerzeug und gut Zeit dazu..
Wenn du lieber aus Gedichten zitieren magst, habe ich auch eins für dich:
"An einen Pessimisten" von Heinz Erhardt:

Jede Sorge, Freund, vermeide,
jedes Weh sollst du verachten.
Sieh die Lämmer auf der Weide:
sie sind fröhlich vor dem Schlachten.
Ahnst du nicht, wie dumm es wär,
wären sie´s erst hinterher?